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Saatkrähen in Puchheim – Vergrämungsmaßnahmen für diese Brutsaison beendet

Saatkrähen gehören zu den Singvögeln und sind somit durch das Bundesnaturschutzgesetz (§ 44 Abs. 1 BNatSchG) geschützt. Vieles wird über ihre Intelligenz und ihre erstaunlichen Strategien bei der Futterbeschaffung berichtet. Dennoch sind diese beeindruckenden Tiere meist wenig beliebt. Die Tatsache, dass Saatkrähen Koloniebrüter sind und diese Brutgebiete, die sich ursprünglich in offenen Landschaften mit Gehölzgruppen befanden, inzwischen fast ausschließlich innerhalb von Städten und Gemeinden anzutreffen sind, führt häufig zu Konflikten mit den Bewohnern der angrenzenden Wohnbebauung. Insbesondere Lärm und Schmutz werden als große Belastung wahrgenommen und Vergrämungsmaßnahmen gefordert.

Seit 2008 gibt es im Puchheimer Schopflach-Friedhof und später auch im angrenzenden Wäldchen eine Brutkolonie. Im Stadtgebiet kam es zudem immer wieder zu Splitterkolonien. Seit 2011 werden in Puchheim Vergrämungsmaßnahmen durchgeführt. Diese müssen stets im Vorfeld durch die Regierung von Oberbayern genehmigt werden. Auch in diesem Jahr gab es wieder umfangreiche Maßnahmen. Um Splitterbereiche zu verhindern, kamen erneut Greifvögel zum Einsatz. Erstmals durften sie auch in den Randbereichen der Hauptkolonie eingesetzt werden, um diese von Krähen freizuhalten. Zusätzlich waren mehrere BirdGards, d.h. Lautsprecheranlagen, die Saatkrähenpanikrufe abgeben, aktiviert, die am Rand der Hauptkolonie und in einigen Splitterbereichen installiert sind. In konfliktträchtigen Bereichen wurden mehrmals Nester entfernt. Seit Ende März ist die Genehmigungsfrist für die Maßnahmen abgelaufen und die Saatkrähen dürfen nicht weiter gestört werden. Die meisten Saatkrähenpaare haben zu diesem Zeitpunkt bereits Eier gelegt. Die Brutzeit dauert 16 bis 19 Tage, danach werden die Jungvögel circa einen Monat im Nest gefüttert. Die sogenannten Ästlinge werden noch vier bis sechs Wochen von den Eltern versorgt und fliegen bald mit zu den Nahrungsgründen. Spätestens Ende Juni hat der Spuk ein Ende und es kehrt wieder Ruhe ein.

Anfang April wurden die Nester gezählt und kartiert, so dass bereits erste Aussagen über die Auswirkungen der Maßnahmen getroffen werden können. Besucher des Friedhofs haben es sicher schon festgestellt; die Anzahl der Nester ist dort deutlich zurückgegangen. Auch die Randbereiche des Schopflachwäldchens und des Friedhofs sind weitgehend frei von Nestern. Die meisten Nester befinden sich jetzt im inneren Bereich des Schopflachwäldchens. Außerdem hat sich die Brutkolonie in Richtung Eichenau ausgeweitet. Am dortigen Friedhof wurden ebenfalls einige Nester festgestellt. Im Stadtgebiet Puchheim gibt es keine Splitterbereiche.

Besonders erfreulich ist, dass sich die Krähen wieder in zwei konfliktfreien Bereichen etwas außerhalb des Siedlungsgebiets zum Brüten niedergelassen haben. Die Etablierung von konfliktfreien Ersatzstandorten ist Voraussetzung für das langfristige Ziel der Stadt einer allmählichen Vergrämung der problematischen Hauptkolonie am Schopflachwäldchen/-friedhof in siedlungsfernere Bereiche.

Die Bemühungen der Stadt, die Belastungen durch die Saatkrähen zu reduzieren sind sehr umfangreich. Erfreulich ist die gute Zusammenarbeit mit den Bürgerinnnen und Bürgern, wenn es um Meldungen neu gebauter Nester geht. Wichtig ist aber auch, die Saatkrähen auf keinen Fall zu füttern. Ansonsten ist die Gefahr groß, dass sie sich dort, wo sie gefüttert werden, auch zum Brüten niederlassen und so neue Splitterkolonien entstehen, die dann wieder vergrämt werden müssen.

Veröffentlicht im April 2020.

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