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Das erneuerte Mahnmal „Nord-Süd-Durchblick“ am Puchheimer S-Bahnhof – Ein offenes Tor für Begegnung und Austausch

1992 war zum 500-jährigen Gedächtnis der Entdeckung, Eroberung und der anhaltenden Ausbeutung Lateinamerikas auf Anregung des Puchheimer Vereins „Campo Limpo Solidarität mit Brasilien e.V.“ ein hölzernes Mahnmal des Künstlers Franz Hämmerle aufgestellt worden. 2018 musste es wegen Sicherheitsmängeln abgebaut werden. Nach einem Beschluss des Stadtrates übernahm die Stadt Puchheim die Kosten für die Erneuerung. Am 25. November 2020 wurde es von Franz Hämmerle mit schwerem Gerät und Unterstützung des städtischen Bauhofs wieder gänzlich neu errichtet. Das Werk mahnt mit den bereits bekannten und neuen Inschriften und Symbolen die notwendige Solidarität zwischen dem „Globalen Norden“ und dem „Globalen Süden“ an.

Die eingängige Inschrift „Nur ein Wir – nur eine Erde“ prägte schon das alte Tor und wurde übernommen. Die neue Inschrift ist mehrdeutig und lässt sich verknüpfen mit den jährlich seit 1992 am 10. Dezember dort abgehaltenen Schweigekreisen zum Tag der Menschenrechte. In der Lesart „weniger Macht – mehr Leben“ nimmt sie Bezug auf den UN-Zivilpakt für bürgerliche und zivile Rechte. Die Interpretation „Weniger macht mehr Leben“ verweist auf den UN-Sozialpakt für wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte. Ebenso ermutigen die Worte zu einem einfacheren Lebensstil.

Vor Ort blickt man durch das Tor vom Norden Puchheims über die trennenden Bahngleise hinweg in den Süden der Stadt. Die innenliegende Grafik symbolisiert die Kluft zwischen dem überentwickelten Globalen Nordenmit weniger Menschen und viel Verbrauch an Boden, Rohstoffen und Energien. Im verarmten „Globalen Süden“ der Erde müssen viel mehr Menschen mit weitaus weniger auskommen, leiden aber stärker unter zunehmender Ausbeutung von Boden, Wald und Wasser sowie der Klimaveränderung. Möglich ist auch die Deutung als ökologischer Fußabdruck.

Für den Künstler Franz Hämmerle ist es ein offenes Tor für Begegnung und Austausch und es soll ein bewegendes Zeichen sein. „Das Werk soll nun wirken. Die Leute sollen damit umgehen, sie sollen durchgehen und erkennen: Ja, so ist es. Die Verbindung von Bildwerk und Botschaft bekommt seine Bildwirkung im Begehen, in der Wiederholung. So wird das große Tor von Puchheim oder das Nord-Süd-Tor auf Dauer Menschen zum Guten bewegen, ausgleichen zum inneren Frieden, ausgleichen zwischen Nord und Süd und zum Frieden anstiften, der in der Welt so notwendig ist“, so der Künstler.

Die Mitglieder des Vereins Campo Limpo und viele an einem gerechten Ausgleich der Lebenschancen zwischen “Nord” und “Süd” und einem Erhalt unseres Lebensraums Erde interessierten und engagierten Puchheimer:innen sind sehr dankbar über die Neuerrichtung des Mahnmals. Damit wird ein wichtiges Zeichen gesetzt über die Stadtgrenzen hinaus, gerade in einer Zeit schwindender globaler Solidarität.

Eine offizielle Einweihung des neuen „Nord-Süd-Durchblicks“ ist coronabedingt zu einem späteren Zeitpunkt in Verbindung mit einer Ausstellung weiterer Kunstwerke von Franz Hämmerle im Puchheimer Kulturcentrum PUC geplant.

Fotos: Erster Bürgermeister Norbert Seidl (rechts) mit Franz Hämmerle bei der Einweihung des Mahnmals; die Inschriften des Mahnmals; Franz Hämmerle bei der Aufstellung des Mahnmals. 

Veröffentlicht im Januar 2021.

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