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Spirituelle Spurensuche in unserer Zeit - Inspirationen von Madeleine Dêlbrel und Dorothee Sölle

6.11.2018 Veranstaltung im Monat der Spiritualität

Spirituelle Spurensuche in unserer Zeit - Inspirationen von Madeleine Dêlbrel und Dorothee Sölle

Auf Einladung des Puchheimer Podiums und der Stadtbibliothek waren 28 interessierte Zuhörerinnen und Zuhörer in die Stadtbibliothek gekommen und folgten den Ausführungen der Theologin, Bildungsreferentin und Seelsorgerin Dr. Thérèse Winter. Sie zeichnete in empathischer Weise die Lebens- und Glaubensgeschichten zweier eindrucksvollen Frauen des 20. Jahrhunderts nach:

Madeleine Dêlbrel (1904 - 1964) wird 1904 in der südfranzösischen Stadt Mussidan geboren. Die Familie wechselt bedingt durch den Beruf ihres Vaters, einem Eisenbahnbeamten, neunmal den Wohnsitz. Nach dem Kunst- und Philosophiestudium an der Sorbonne lässt sich Madeleine Dêlbrel in der Nähe von Paris zur Sozialarbeiterin ausbilden. Sie lernt Jean Maydieu kennen und lieben. Durch ihn setzt sie sich mit dem Christentum auseinander. Aus der Abgewandtheit von allem Religiösem wird aus der überzeugten Atheistin eine Gott Suchende. Jean Maydieu fühlt sich berufen und tritt später in das Noviziat der Dominikaner ein. In der Gemeinschaft unter Kommunisten erlebt sie spirituelle Erfüllung. Madeleine Dêlbrel stirbt nach einem Gehirnschlag im Alter von 60 Jahren.

Dorothee Sölle (1929 - 2003) wächst in Köln als viertes von fünf Kindern in einer liberal geprägten Atmosphäre auf. Sie studiert Philosophie und Alte Sprachen, später Theologie. Mit ihrem Ehemann Dietrich Sölle bekommt sie drei Kinder. Ihre Ehe wird später geschieden. 1964 erscheint ihr erstes Buch "Stellvertretung". Sie avanciert zu einer umstrittenen Theologin. 1968 erscheint "Politisches Nachtgebet". Sehen, Urteilen, Handeln, sollte nach ihrer Ansicht in die Gebetstradition eingebettet sein. Mit ihrem zweiten Ehemann, dem früheren Benediktinermönch Fulbert Steffensky, bekommt sie ihr viertes Kind. Beruflich hat sie einige Hürden zu überwinden. Ihr Versuch an einer deutsch-evangelischen Fakultät zu arbeiten mißlingt, Anfragen von Universitäten aus den USA und Südamerika lehnt sie jedoch ab. Dorothee Sölle spricht sich für eine Theologie der Befreiung aus. "Poetisch zu schreiben ist ihre Art des Betens".
Zu ihrer religiösen Erfahrung zähle nicht die Sünde am Anfang zu sehen, sondern das Geschenk des Lebens. Am Anfang stehe das Staunen. Nur im Staunen öffne sich der Mensch. Darüber hinaus zähle das Begreifen der Endlichkeit und die Wandlung durch Heilung. Dorothee Sölle stirbt 2003.

Der spirituelle Weg beider Frauen bleibt der biblischen Treue und dem jesuanischen Wort eng verbunden.
Ihre Spurensuche und ihr Glaube bleibt immer erfahrungsbezogen.

Weiterführende Literatur finden Sie in der Stadtbibliothek Puchheim:
Dorothee Sölle: Mystik und Widerstand
Große Frauen des 20. Jahrhunderts

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