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Fahrradstadt Puchheim

Liebe Puchheimerinnen, liebe Puchheimer,

Kopenhagen nennt sich Fahrradhauptstadt Europas. In Kopenhagen bewegen sich ganze Pulks an Fahrradfahrern im Straßenverkehr. Kopenhagen hat architektonische Meisterwerke an Fahrradbrücken gebaut. Während einer von der Arbeitsgemeinschaft fahrradfreundliche Kommunen in Bayern e.V. (AGFK) organisierten Exkursion konnte ich live erleben: In Kopenhagen fahren alle Fahrrad! Diese Tatsache muss man respektvoll und vielleicht sogar etwas neidvoll anerkennen und man sollte sich – das war ja der Sinn dieser Reise – einige Fragen stellen: Wie haben die Kopenhagener das geschafft? Wie könnte das in Puchheim funktionieren? Wie verändert sich dadurch das Leben in einer Stadt?

Grundlage für die Entwicklung hin zu einer Fahrradstadt war, dass sich alle Politiker seit 40 Jahren dafür einsetzen, dass Mobilität in Kopenhagen zuallererst als Fahrradmobilität gedacht wird. Dafür musste man Autostraßen verändern und für Radwege, Radstreifen oder Radaufstellflächen Platz schaffen. Straßenbeläge wurden ausgetauscht, neue Radwege gebaut, Ampelphasen angepasst, Verkehrsregelungen geändert. Letztlich hat sich auch der vermeintliche Verteilungskonflikt zwischen Auto und Rad aufgelöst: Weil viel mehr Leute Fahrrad fahren, braucht man geringere Straßenbreiten und weniger Parkplätze für Autos und die Autos stehen nicht mehr im Stau. Diese Entwicklung kam nicht über Nacht, sondern wurde Stück für Stück erarbeitet und muss auch weiterhin konsequent mit Projekten verfolgt werden.

Puchheim hat sich mit einem Radverkehrskonzept auch auf diesen Weg gemacht und will Fahrradmobilität in der Stadt fördern. Bei der Festlegung der Hauptrouten wurde klar, dass noch einige Lücken geschlossen und neue Anschlüsse geschaffen werden müssen. Insbesondere die überörtlichen Wege von Aubing nach Puchheim und von Puchheim nach Eichenau müssten angepackt werden. Es ist erfreulich, dass sich der Landkreis durch den Druck der Kommunen an einer Machbarkeitsstudie für einen Radschnellweg im Korridor München-Fürstenfeldbruck beteiligen wird. Die Hausaufgaben vor Ort beginnen mit einer guten Beschilderung, ausreichend Abstellanlagen und einer Verbesserung der Streckenführung. Das Radverkehrskonzept gibt hier viele Hinweise.

Fahrradfahren wird dann akzeptiert, wenn es gegenüber anderen Verkehrsmitteln im Vorteil ist. Dazu muss es schneller sein und genauso sicher. In Puchheim sind bereits beide Voraussetzungen erfüllt: Es ist schneller, mit dem Fahrrad zwischen Nord und Süd und Ort zu pendeln und die Unfallstatistik beweist, dass Fahrradfahren sehr sicher ist. Diese Vorteile nutzen auch schon sehr viele Puchheimerinnen und Puchheimer. Was uns hauptsächlich von Kopenhagen unterscheidet, ist das Selbstverständnis, mit dem man dort das Fahrrad benutzt. Das Fahrrad ist der Normalfall, obwohl das Wetter bestimmt nicht besser ist. Alle Kinder werden mit dem Cargobike in den Kindergarten gebracht. Das Wort „Elterntaxi“ kennt man nicht. Und die Kinder lernen im Kleinkindalter mit dem Laufrad umzugehen, so dass man wirklich staunt, wie gewagt und gekonnt die Pedaleurs rangieren. In Kopenhagen ist bei weitem nicht alles perfekt und penibel geregelt: Es gibt jede Menge Schlaglöcher, die Fahrräder liegen kreuz und quer rum und eine Beschilderung ist für Ortsfremde nicht wirklich zu erkennen. Aber das sind alles keine Gründe, die das Fahrradfahren stoppen. Weil das Fahrrad als selbstverständlich für alle gilt, reagiert man bei diesen Stolperstellen mit Gelassenheit. Das gehört dazu, da stellt man sich darauf ein.

Ich bin überzeugt, dass wir hier in Puchheim durchaus die Chance haben, diese Art der Selbstverständlichkeit für Fahrradmobilität zu erreichen. Unabhängig von ökologischen und gesundheitlichen Aspekten macht das ein Leben in der Stadt leichter und entspannter. Viele Probleme mit dem Auto wie Lärm, Geschwindigkeit, Stellplätze, Stau, Abgase, Energieverbrauch und Kosten lassen sich durch das Fahrrad lösen. Sie können solche Erfahrungen zum Beispiel während des Stadtradelns vom 23. Juni bis 13. Juli selbst ausprobieren, um einen Vorgeschmack hin zu einer Fahrradstadt Puchheim zu bekommen. Lassen Sie uns auf diesen Weg schnell hinüberwechseln. Es lohnt sich..

Mit freundlichen Grüßen

Norbert Seidl

Erster Bürgermeister

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