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Die Welt wird Stadt – Puchheim wurde Stadt

Liebe Puchheimerinnen, liebe Puchheimer,

die Verstädterung der Welt wächst. Immer mehr Menschen zieht es in die Städte. Während 1950 noch 66 Prozent der globalen Bevölkerung auf dem Land lebte, gab es 2007 zum ersten Mal mehr Städter als Landbewohner. Dabei spielen die großen Megacitys von Tokio mit 37 Millionen bis Lagos oder Moskau mit je über 12 Millionen Einwohnern die zentrale Rolle.

Warum wollen eigentlich immer mehr Leute in der Stadt leben? Dort wo es wenig Platz gibt, wo es laut ist, wo so wenig Bäume stehen, wo sich Krankheiten leichter ausbreiten, wo man viel Geld für Wohnraum zahlen muss und überall Leute sind, die einem auf die Pelle rücken.

Weltweit betrachtet, ist die Antwort auf diese Frage mehr als klar: Hohe Geburtsraten und Perspektivlosigkeit auf dem Land treiben die Urbanisierung voran. Dies gilt gewiss nicht für die Landflucht in den westlichen Industrieländern, obwohl auch dort die Anziehungskraft der Metropolen wächst. Städte versprechen mehr Möglichkeiten. Und sie halten dieses Versprechen in vielen Bereichen. Es gibt mehr Arbeitsplätze, mehr Auftragswege, differenzierte Berufsbilder. Und damit auch die Chance auf höheres Einkommen. Die Interaktion, Kommunikation und Vernetzung mit vielen Menschen, Gleichgesinnten wie Andersdenkenden, unterstützt, lässt neue Ideen entstehen, führt zu Demokratisierung. Städte sind Inkubatoren für Innovationen. Gleichzeitig ermöglicht die Masse an Menschen mehr Anonymität und damit die Akzeptanz unterschiedlichster Lebensentwürfe. Weil viele Menschen auf einem Fleck leben, rentieren sich auch zusätzliche Infrastruktureinrichtungen. Ein Hallenbad wird in einem 200-Seelen-Dorf ebenso wenig gebaut werden wie ein Krankenhaus, ein Altenheim oder eine Schule.

Diese Vorteile verlangen jedoch auch einen Preis, der zum Beispiel in der Region um München zwei zentrale Herausforderungen aufweist: Da ist zum einen der Kampf um bezahlbaren Wohnraum und zum anderen die enorme Belastung beziehungsweise Belästigung durch ausufernden Verkehr. Das erste Problem müsste man durch den Bau von mehr Wohnungen lösen, würde aber dadurch das zweite Problem eher verschärfen, weswegen kommunale Politik vor Ort hier gut überlegt vorgehen sollte. Und auch die Bürger:innen müssen hierzu ihre Einstellung verändern. Während Wohnungen und Einfamilienhäuser reißenden Absatz finden, ist die Bereitschaft hin zu einem verträglichen Mobilitätsverhalten noch nicht sehr hoch.

Hat Corona an dem Trend hin zur Stadt etwas verschoben? Gibt es eine Stadtflucht? Zum Teil schon. Diejenigen, die es sich leisten können, fliehen aus der Enge und der lauten Atmosphäre. Sie suchen Ruhe, Natur und Weite auf dem Land und bleiben mit DSL und Homeoffice mit ihrem Arbeitsplatz verbunden. Glücklich, wer dies kann. Für alle anderen Städte ist es Aufgabe der Kommune, durch kluge Stadtentwicklung für mehr Platz, mehr Ruhe, mehr Natur, mehr Kommunikationspunkte zu sorgen.

Puchheim ist spätestens mit den großen Bauprojekten der 70er- und 80er-Jahre in die Kategorie „Städtischer Verdichtungsraum“ hineingewachsen. Dies war gewiss ein wesentliches Kriterium für die offizielle Erhebung zur Stadt in 2011. Als Stadt werden wir uns der Aufgabe stellen, die Vorteile des urbanen Raumes zu verstärken und die nachteiligen Effekte auszugleichen. Das ist für uns Ansporn und Anspruch zugleich, was jedoch nur mit Ihnen zusammen gelingen kann. Den Standortvorteil, dass viele Menschen mit kreativen Ideen, vielfältigen Ressourcen und großem Engagement in Puchheim leben, sollten wir nutzen.

 

Mit freundlichen Grüßen

Norbert Seidl

Erster Bürgermeister

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