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Aufpassen, Akzeptieren, Ausharren.

Liebe Puchheimerinnen, liebe Puchheimer,

eigentlich wollte ich in diesem Bürgerbrief nicht schon wieder Corona zum Thema machen. Eigentlich wollte ich über Kinder- und Jugendarmut schreiben. Eigentlich war der Plan, dass wir eine kleine zweite Welle bekommen, dann aber Anfang 2021 wieder in den Normalbetrieb umschalten können. Aber „eigentlich“ gibt es zurzeit nicht mehr. Und Pläne haben mehr als kurze Beine. Beides irritiert und verunsichert uns in hohem Maße. Der Umgang mit dieser anormalen, unbekannten Situation und die fehlende Planbarkeit von Alltagsabläufen. Wir sind es zwar gewohnt, mit Krisen und Herausforderungen zurecht zu kommen, aber dieses Corona hält sich einfach nicht an die Spielregeln. Irgendwie hat man das Gefühl, dass wir alle mit dem Frühjahrs-Lockdown schon genug Tribut dieser Pandemie gezollt hätten. Dass das doch reichen müsste. Und es war ja auch schon richtig gut mit 200 Neuinfektionen pro Tag bei 80 Millionen Einwohner*innen.

Jetzt tragen wir allerorts Masken, halten in Geschäften Abstand, sitzen im Kino meterweit auseinander, testen ohne Ende, und alles ist noch schlimmer geworden. Die explosionsartig steigenden Fälle erzeugen Ratlosigkeit. Die unkoordinierten Maßnahmen nähren den Verdacht, dass die Entscheiderinnen und Entscheider dem Phänomen eher machtlos gegenüberstehen. Der Vergleich mit Nachbarländern wie den Niederlanden, Belgien, Tschechien ist mehr Schreckensgespenst an der Wand als Trost, dass es uns nicht so schlimm erwischt hat. Was ist also das Gebot der Stunde? Was kann ich Ihnen, den Bürgerinnen und Bürgern in Puchheim, als Bürgermeister jetzt raten? Wir müssen lernen, diese Unsicherheit und Unplanbarkeit auszuhalten. Ein Beispiel hierfür: Ich hätte gerne eine Bürgerversammlung angeboten. Wir waren weit in der Vorbereitung, sogar die Plakate sind schon gedruckt. Und dennoch lässt sich diese Veranstaltung aktuell nicht rechtfertigen. Eine solche Absage ärgert, weil viel Arbeit umsonst gemacht wurde. Die Konsequenz daraus könnte sein, dass man von Anfang an jede Veranstaltung ausfallen lässt. Oder man schluckt den Frust runter und überlegt sich ein Alternativkonzept. So verfahren wir aktuell mit der Planung des Volksfestes.

Ich kann mir vorstellen, dass Sie in Ihrem Alltag mit denselben Unwägbarkeiten umgehen müssen. Wenn Sie Allerheiligen einen Familienbesuch vorhaben. Wenn Sie damit rechnen, dass Montag Ihre Kinder in Kita oder Schule sind, damit Sie zur Arbeit fahren können. Wenn Sie über Silvester einen Kurzurlaub gebucht haben. Es widerstrebt uns im Innersten, wenn wir die Dinge nicht im Griff haben. Wir wollen wissen, was nächste Woche passiert. Das Prinzip „heute so – morgen so“ lehnen wir in unserer Gesellschaft entschieden ab. Weil Corona bisher nicht kontrollierbar ist, müssen wir dennoch flexibel bleiben. Nicht wir diktieren das Geschehen, sondern wir können immer nur neu reagieren. Und das sollten wir auch: mit Ausdauer, mit Konzentration und weiter mit Optimismus. Jede*r Einzelne muss sich jetzt zusammenreißen und Verantwortung für sich und die Mitmenschen übernehmen. Aufpassen, um Übertragungen aus dem Weg zu gehen. Akzeptieren, dass man seine Pläne nicht durchziehen kann. Ausharren, weil Corona doch nicht so schnell und harmlos vorüberzieht.

Bisher sind immer noch wenige mit Corona direkt betroffen. Denjenigen, die COVID-19 haben, wünsche ich schnelle und vor allem vollständige Gesundung. Wenn der Satz „Wir schaffen das!“ nicht so abgegriffen wäre, würde ich genau das zum Schluss schreiben. Weil ich mir sicher bin, dass wir diese Pandemie in Puchheim und Deutschland bewältigen werden. Ob das weltweit gelingt, ist eine andere Frage. Also, bleiben Sie gesund, und wir schaffen das!

Mit freundlichen Grüßen

Norbert Seidl

Erster Bürgermeister

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